Zwei Männer küssen eine lachende Frau auf die Wangen bei einer inklusiven Strandhochzeit
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    Inklusion

    Inklusive Sprache verändert die Hochzeitswelt

    Warum Worte echte Vielfalt sichtbar machen können

    Kathrin

    Kathrin

    HochzeitsExperte

    29. Juli 20258 Min. Lesezeit
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    Veröffentlicht im

    Braut & Bräutigam Magazin

    29. Juli 2025

    Sprache prägt unser Denken – auch in der Hochzeitswelt. Der Begriff „Brautpaar" mag vertraut klingen, doch er schließt viele Paare aus. Kathrin Dell-Lenz, Expertin für inklusive Trauungen, erklärt, warum es Zeit ist, umzudenken und wie Worte echte Vielfalt sichtbar machen können.

    Zwei Männer in Anzügen sitzen barfuß am Strand und küssen sich hinter einem Holzschild mit der Aufschrift Für immer ab jetzt

    1Wie lassen sich inklusive Trauzeremonien umsetzen?

    „Vor allen Dingen: indem man zuhört, anstatt einfach vorauszusetzen, indem man fragt, was möchtet Ihr haben, statt etwas zuzuweisen, indem man die Rituale neu denkt und Traditionen hinterfragt. Wer sagt denn, dass ein Vater die Tochter nach vorne bringen muss, wie wärs mit zwei Vätern? Oder wer sagt, dass man einen Ring tauschen muss? Inklusion beginnt mit der Haltung – mehr zu ‚Wie wollt Ihr heiraten?' und weg von ‚So sollte man heiraten'."

    2Ein Beispiel für eine gelungene inklusive Trauzeremonie

    „Bei mir steht nie das Rollenbild im Mittelpunkt, sondern das Hochzeitspaar. Und da frage ich jedes Mal, welche Tradition möchtet Ihr leben, womit fühlt Ihr Euch wohl und welche dürfen wir einfach mal neuschreiben. Und das ist auch das Geschenk einer freien Trauung: Sie bietet Raum für Freiheit und Individualität."

    3Wie gestaltest Du Rituale um?

    „Das Sand-Einfüllen ist eines der weit verbreitetsten Rituale, wovon ich mich aber auch löse. Beim Sand ineinander schütten fehlt für mich die Persönlichkeit. Die Geste dahinter ist schön, aus zwei Familien eine zu machen, aber wie wäre es, wenn man das bei einem Hochzeitspaar adaptiert, das zum Beispiel sehr gerne kocht und man dann statt dem Sand Zutaten nimmt und ein eigenes Gewürz der Liebe erstellt und alle Gäste etwas davon abbekommen. Die Persönlichkeit sollte bei allem im Vordergrund stehen."

    Detailaufnahme von süßen Hochzeitshäppchen: Schoko-Erdbeeren im Smoking-Look und Pralinen mit blauen Streuseln auf einem Tuch dekoriert

    4Warum „Hochzeitspaar" statt „Brautpaar"?

    „Brautpaar klingt natürlich harmlos, aber es schließt Paare ohne Braut aus, also zwei Männer zum Beispiel oder zwei non-binäre Menschen. Die Vielfalt wird ausgeblendet. Wenn Menschen sich schon darüber freuen, dass etwas inklusiv ist, zeigt es einfach nur, wie wenig inklusiv es bisher ist. Die Sprache ist im Wandel. Das ist kein Trend, sondern ein Spiegel für die Gerechtigkeit."

    Inklusive Begriffe in der Hochzeitswelt

    „Wieso muss es Brautkleid heißen, wieso nicht Hochzeitsoutfit? Es geht nicht nur um spezielle Begriffe, sondern es geht auch um das Vermeiden oder Ignorieren von generischen Formulierungen. Wenn man zum Beispiel von Hochzeitsfotografen spricht, klammert man automatisch alle Fotografinnen aus und das passiert oft unbewusst. Da sollte man noch mal genauer hinschauen – wie man bestimmte Begriffe nutzt und die Sensibilität dafür aufbringen."

    Zwei festlich dekorierte Hochzeitstorten mit Blumen und Tuxedo-Erdbeeren, die größere mit männlichem Paar-Topper, serviert am Strand

    5Rollen-Klischees in der Hochzeitsbranche

    „Das klassische Setting und in den Köpfen ist immer die Braut auf der einen Seite, der Bräutigam auf der anderen. Das ist für mich wie ein gesellschaftlicher Dresscode. Ich finde, der gehört aufgebrochen: Du darfst Du sein, und zwar ohne Erklärung und ganz ohne Etikette."

    „Man hat ja zum Beispiel auch dieses typische Klischee-Denken wie: die Braut plant, der Bräutigam zahlt, sie trägt Weiß, er trägt die Verantwortung – und das erzeugt einfach Druck und eine falsche Vorstellung von Romantik. Es geht darum, alle Menschen zu inkludieren: Es geht nicht nur um LGBTQ+, sondern es geht um Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationsgeschichte, die einfach eine andere kulturelle Vorstellung haben oder auch Hetero-Paare, die das klassische Rollenbild ablehnen."

    6Fragen für Eure persönliche Zeremonie

    „Paare sollten für sich überlegen, wofür sie stehen, was sie selbst möchten, was sie spiegelt und nicht die Erwartung oder die Norm. Gerade beim Thema Hochzeit fragt man Familie, Freunde und FreundInnen und erhält ganz viel Input von außen. Daher ist es umso wichtiger für sich zu überlegen, ob es eigentlich Dinge gibt, die sich auch falsch anfühlen, aber die von der gesellschaftlichen Norm dazu gehören. Das Wichtigste daran ist die Freiheit, ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Und mit dieser Version sollte man in die Planung starten – ohne sich dafür erklären zu müssen."

    Stimmungsvolles Hochzeits-Setup am Strand mit weißem Traubogen, Blumenarrangements in Glasvasen und Blick auf das Meer

    7Tipps für DienstleisterInnen

    „Auf jeden Fall weg von Pinterest, hin zur Haltung. Gerade auf das Thema Worte bezogen, sollten sie sich fragen: Sprechen wir gerade bewusst Paare an oder sprechen wir Bräute an? Sie sollten Bilder hinterfragen: Zeigen wir hier wirklich Vielfalt oder wieder nur dieses Pinterest-perfekte-hetero-Paar? Sie sollten auf Formulare achten: Sind sie genderfrei, beziehungsdivers, sind sie inklusiv gedacht? Vielfalt heißt: wir denken von Anfang an für alle mit."

    Fazit: Echte Rituale statt besondere Rituale

    „Ich spreche nie von Braut oder Bräutigam, sondern immer vom Hochzeitspaar. Ich stelle auch keine Geschlechterfragen, sondern immer Beziehungsfragen. Ich frage nicht, wer übergibt wen, sondern wie wollt Ihr diesen Moment gestalten? Ich finde nicht, dass Rituale und Traditionen abgeschafft werden müssen. Sie müssen einfach geöffnet und neu gedacht werden."

    „Die größte Herausforderung beginnt im Kopf. Wenn wir schon Rituale in normal, neu oder auch quer einteilen, beginnt da schon für mich die Herausforderung. Denn ein Ritual ist kein Trend, sondern es ist Ausdruck einer Beziehung. Wenn Gäste spüren, das etwas authentisch ist, dann entsteht auch keine Irritation, sondern Resonanz. Das schönste Ritual ist das, das man nicht erklären muss, weil es halt einfach stimmt."

    Bucht jetzt Eure individuelle Trauung, denn Liebe ist bunt!

    Ihr möchtet eine persönliche und inklusive Trauzeremonie, die wirklich zu Euch passt? Kathrin Dell-Lenz begleitet Euch dabei, Eure eigene Geschichte in Worte zu fassen.

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    Foto: Susanne Zabel · Hochzeitsplanung: Ilonka Rien

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