Warum ich über Sprache schreibe – gerade in der Hochzeitswelt
Sprache ist für mich kein Detail. Sie ist Haltung. Sie entscheidet darüber, wer sich gesehen fühlt – und wer nicht.
Gerade in der Hochzeitswelt, einem der emotionalsten Lebensbereiche überhaupt, arbeiten wir mit Bildern, Ritualen und Begriffen, die tief verankert sind. „Brautpaar", „Brautkleid", klassische Rollenbilder – all das wirkt vertraut. Und genau darin liegt die Gefahr: Was vertraut ist, wird selten hinterfragt.
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, dass Vielfalt gefeiert wird – aber sprachlich oft nicht mitgedacht. Deshalb schreibe ich darüber. Deshalb spreche ich darüber. Und deshalb habe ich mich sehr bewusst dazu entschieden, meine Haltung auch medial sichtbar zu machen.
Anlass dieses Beitrags: eine Veröffentlichung, die etwas sichtbar macht
Am 29. Juli 2025 ist bei Braut & Bräutigam Online ein Interview mit mir erschienen. Darin spreche ich über inklusive Sprache, über Rituale und über Rollenbilder in der Hochzeitswelt – und darüber, warum der Begriff „Brautpaar" viele Paare ausschließt, obwohl er harmlos klingt.
Ich möchte diesen Beitrag hier auf Hugs & Kiss bewusst einordnen. Nicht als Abdruck. Nicht als klassische Pressemitteilung. Sondern als Teil eines größeren Diskurses.
Inklusion beginnt für mich mit Zuhören – nicht mit Vorgaben
Wenn mich Paare fragen, was eine inklusive Trauung ausmacht, sage ich nie: So geht das. Ich frage: Wie wollt ihr heiraten?
Inklusion beginnt nicht mit neuen Ritualen, sondern mit einer inneren Haltung. Mit Zuhören statt Voraussetzen. Mit Fragen statt Zuweisungen.
Ich frage nicht, wer wen übergibt. Ich frage, wie ihr diesen Moment gestalten wollt. Ich stelle keine Geschlechterfragen – sondern Beziehungsfragen.

Rituale sind kein Pflichtprogramm – sie sind Ausdruck von Beziehung
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist der Umgang mit Hochzeitsritualen. Viele Rituale werden übernommen, weil „man das halt so macht". Das bekannte Sandritual ist ein gutes Beispiel: Die Idee dahinter ist schön – zwei Familien werden eine. Aber oft fehlt die Persönlichkeit.
Ich löse mich bewusst von Ritualen, die austauschbar sind. Nicht, weil ich Rituale ablehne – sondern weil ich sie ernst nehme.
Wenn ein Paar gerne kocht, warum dann nicht gemeinsam ein Gewürz der Liebe kreieren? Ein Ritual, das man teilt. Das man schmeckt. Das bleibt.
Rituale dürfen geöffnet, angepasst und neu geschrieben werden. Sie verlieren dadurch nichts – sie gewinnen an Bedeutung.

Rollenbilder erzeugen Druck – nicht Romantik
Ein weiteres Thema, das mir immer wieder begegnet, sind starre Rollenbilder. In vielen Köpfen existiert noch immer dieses unausgesprochene Drehbuch: Die Braut plant. Der Bräutigam zahlt. Sie trägt Weiß. Er trägt Verantwortung.
Diese Bilder erzeugen Druck – und eine falsche Vorstellung von Romantik. Und sie betreffen nicht nur LGBTQ+-Paare. Sie betreffen auch Hetero-Paare, Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Paare, die sich schlicht nicht in diesen Narrativen wiederfinden.
Du darfst Du sein. Ohne Erklärung. Ohne Etikette.

Sprache ist kein Trend – sie ist ein Gerechtigkeitsindikator
Warum ich konsequent von „Hochzeitspaar" spreche statt von „Brautpaar"? Weil Sprache sichtbar macht, wer gemeint ist – und wer nicht.
Wenn wir von Hochzeitsfotografen sprechen, klammern wir automatisch Fotografinnen aus. Meist unbewusst. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht aus Perfektionismus, sondern aus Verantwortung.
Sprache ist im Wandel. Nicht, weil sie „modern" sein will. Sondern weil sie gesellschaftliche Realität abbildet.
Verantwortung der Branche: Worte, Bilder, Formulare
Inklusion endet nicht bei der Trauung. Sie beginnt viel früher. Bei Websites. Bei Formularen. Bei Bildwelten.
Ich stelle mir – und der Branche – immer wieder dieselben Fragen:
- Sprechen wir Paare an oder nur Bräute?
- Zeigen wir Vielfalt oder immer wieder dasselbe Pinterest-Narrativ?
- Sind unsere Formulare genderfrei, beziehungsdivers, offen gedacht?
Weg von Pinterest – hin zur Haltung.
Wenn etwas stimmt, braucht es keine Erklärung
Oft höre ich die Sorge, Gäste könnten bei neuen oder offenen Ritualen irritiert sein. Meine Erfahrung ist eine andere. Wenn etwas authentisch ist, entsteht keine Irritation – sondern Resonanz.
Gerade bei sensiblen Familiensituationen, etwa bei Scheidungskindern, zeigt sich das sehr deutlich. Die Frage „Wer führt die Braut rein?" kann zur Zerreißprobe werden. Warum müssen wir uns überhaupt entscheiden? Warum muss jemand geführt werden?
Das schönste Ritual ist für mich das, das man nicht erklären muss. Weil es einfach stimmt.

Über mich
Ich bin Kathrin Dell-Lenz, Expertin für persönliche und inklusive Trauzeremonien sowie Emotional Branding. Ich begleite Hochzeitspaare im In- und Ausland und habe mit Dein Hochzeitsretter, Deine TrauFamily und Dein TrauFreund Formate geschaffen, die Sicherheit, Haltung und echte Individualität in die Hochzeitswelt bringen. Als Rednerin, Mentorin und Ausbilderin setze ich mich dafür ein, dass Hochzeiten nicht normieren – sondern verbinden.
Zum Nachlesen: „Inklusive Sprache verändert die Hochzeitswelt" bei Braut & Bräutigam Online.
Credits
Fotos: Susanne Zabel
Hochzeitsplanung: Ilonka Rien



